Mit Kuhstriegeln zum Erfolg

Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 30. April 1945 in München brechen auch für iwis neue Zeiten an. Das Unternehmen steht vor seiner nächsten wirtschaftlichen Herausforderung – und passt sich den vorherrschenden Geschäftsbedingungen an. Otto Winklhofer investiert in ein Produkt, das auf den Tauschmärkten der unmittelbaren Nachkriegszeit guten Absatz findet.

Betriebserlaubnis durch die amerikanische Militärregierung

Der Stillstand nach Kriegsende währt nicht lange. Zumindest nicht in der Albert-Roßhaupter-Straße. Am 14. Juli 1945 erhält iwis die Betriebserlaubnis durch die amerikanische Militärregierung.

Die Besatzer stufen Unternehmen und Unternehmer als politisch verlässlich ein. Außerdem hat es ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal: iwis ist einziger Hersteller von Ketten für Fahrräder, Motorräder und Landmaschinen innerhalb der US-Besatzungszone. Bereits am 26. Juli 1945 schaltet iwis wieder in den Produktionsgang.

Reibungslos verläuft der Neustart nicht. Der Transport von Rohstoffen wie Kohle und Stahl stagniert, Gas- und Stromversorgung kommen stellenweise zum Erliegen. Diese Rahmenbedingungen machen einen geregelten Betriebsablauf nahezu unmöglich. Auch die Lebensmittelknappheit stellt die iwis-Belegschaft – im Oktober 1945 sind es 95 –  vor große Herausforderungen.

Begehrte Tauschware

Der Tauschhandel prägt die Jahre 1945 und 1946. Und Otto Winklhofer findet ein Produkt, das auf dem Schwarzmarkt besonders begehrt ist. Dazu recycelt er einen Artikel aus Kriegszeiten. Aus den Griffen von Pressluftpistolen stellt iwis 1945 Kuhstriegel her, die auf dem Land gegen Eier, Speck oder Butter eingetauscht werden können. Bei Milchbauern sind die Kuhhaarzähmer mit Metallkopf begehrt, denn regelmäßiges Striegeln soll die Milchproduktion der Kühe steigern. Zwischen 1945 und 1947 werden 3.745 Striegel von iwis ausgeliefert. 1945 fällt der Umsatz dennoch unter eine halbe Million Reichsmark (RM). iwis macht Verluste, gibt aber nicht auf. Die Kettenherstellung läuft wieder an. Otto Winklhofer forciert zudem die Herstellung von Sicherheitsschlössern. Dieses Produkt geht gut auf den Tauschmärkten Münchens und trägt zur Umsatzsteigerung bei. Eine Hitzewelle im Sommer 1947 trübt jedoch jäh die Euphorie. Die Stromversorgung bricht gänzlich zusammen. Der Betrieb steht über fünf Monate nahezu still. Erst am 20. Dezember 1947 fließt wieder Strom, und iwis nimmt die Kettenherstellung erneut auf.

Endlich wieder stabile Zeiten

1948 kommt endlich die betriebswirtschaftliche Wende. iwis erarbeitet nach der Währungsreform am 20. Juni einen sprunghaften Umsatzanstieg auf 1.610.308 Deutsche Mark (DM). Die Tauschmärkte verschwinden, die westdeutsche Wirtschaft stabilisiert sich. 

Ende 1949 erreicht die industrielle Produktion der Bundesrepublik den Umfang der Vorkriegszeit. Die Zeichen stehen fortan auf Wachstum. Und auch bei iwis gehen die Umsätze durch die Decke. Nicht zuletzt weil das Unternehmen sein Produktportfolio kritisch reflektiert.

Mitte der 1960-er lässt iwis das Fahrrad stehen und steigt ganz auf das Automobil um.

iwis 100 Jahre