Das Supermarkt-Prinzip

Der Kunde als König? Gerhard Winklhofer überrascht es nicht, dass Kunden zunehmend anspruchsvoller werden und erwarten, dass auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird. Sie wollen sich nicht mit einer unflexiblen Produktpalette der Verkäufer zufrieden geben. In den USA, wo Gerhard Winklhofer gemeinsam mit Ehefrau Traudl zwischen 1961 und 1963 lebt, hat sich dieser Servicegedanke längst durchgesetzt. Er zeigt sich schon bei den Einpack- und Transporthilfen im Supermarkt. Und auch bei iwis läutet das Supermarkt-Prinzip in den 1960er-Jahren eine neue kundenorientiertere Ära ein.

Für Gerhard Winklhofer ist mit dem Einstieg in das Unternehmen bereits klar: iwis soll sich zum qualitätsbewussten Kundendienstleister entwickeln. Für die ältere Generation im Unternehmen sind Gerhard Winklhofers Ideen zunächst eher abstrakt. Noch greifen die technischen und kaufmännischen Abteilungen in Vertrieb, Akquise und Kundenbetreuung nicht optimal ineinander. Eine technische Kundenbetreuung ist nur rudimentär vorhanden und stellt iwis vor Herausforderungen.

Otto Winklhofer reagiert schließlich auf die Einwände seines Sohnes und schickt zunehmend Mitarbeiter mit technischer Expertise zum Kunden. Darunter auch Gerhard Winklhofer selbst. In Stuttgart spürt er 1968 am eigenen Leib, was Kundenorientierung wirklich bedeutet. Daimler-Benz hat ein Problem, und Gerhard Winklhofer nur drei Monate, um es zu lösen.

Hülsenkette D 67 H

Gefackelt wird nicht lange in der Schwabenmetropole. Beim neuen Dieselmotor aus dem Hause Daimler ergeben sich Schwierigkeiten mit den Kettentrieben von iwis. Die Motoren haben eine unakzeptable Laufleistung von nur 20.000 Kilometern. Für den Lieferanten heißt das: „Kommen Sie wieder mit einem Produkt, das unsere Probleme löst.“ Gerhard Winklhofer schart in München ein fähiges Entwicklerteam um sich und macht sich, weil die Zeit drängt, an die Realisierung von gleich drei verschiedenen Produktlösungen.

Eine bringt das Team schließlich zur Serienreife und nach Stuttgart. Die Hülsenkette D 67 H ist eine echte Innovation. Sie verfünffacht die Laufleistung des Daimler-Motors auf 100.000 Kilometer. Der Kunde ist mehr als zufrieden und zollt dem „jungen Mann“ aus München höchsten Respekt. Auch Zuhause wartet Anerkennung: Aus ihren jeweiligen Anteilen bieten Otto und Dr. Rudolf Winklhofer ihrem engagierten Sohn und Neffen Geschäftsanteile. Gerhard Winklhofer macht sich weiter im Unternehmen verdient.

iwis 100 Jahre