Am Pranger

Das Jahr 1933 geht auch an iwis nicht spurlos vorbei. Das Unternehmen und die Mitglieder der Familie Winklhofer müssen sich gegenüber dem neuen nationalsozialistischen Regime positionieren – und geraten zunächst in dessen Fadenkreuz.

Parteipolitisch aktiv sind sie nicht. Weder Johann Baptist Winklhofer noch seine vier Söhne sind Mitglieder der NSDAP oder ihrer Gliederungen. Das bestätigten Recherchen im Bundesarchiv in Berlin. Und auch dem rassenideologischen Gedankengut der Nationalsozialisten stehen die Winklhofers nicht nahe, wie eine kleine Geschichte aus dem Unternehmen zeigt.

Georg Cohn vertritt das Unternehmen ab 1928 in Berlin. Er ist Jude. Für die Familie Winklhofer ist das kein Problem. Die Obrigkeit sieht das anders. 1937 verlangt die Industrie- und Handelskammer mit Nachdruck die Beendigung der Zusammenarbeit mit Georg Cohn. Otto Winklhofer hält dem Druck zunächst stand. Doch als iwis im März 1938 aufgrund seines jüdischen Vertreters im antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer“ unter der Rubrik „Worüber sich der Berliner wundert“ angeprangert wird, sieht er sich gezwungen, den Vertretungsvertrag zum Jahresende aufzulösen. Den Kontakt zu seinem ehemaligen Vertreter hält Otto Winklhofer aber aufrecht und setzt sich für dessen berufliche Zukunft ein. Georg Cohn weiht Otto Winklhofer in seine Auswanderungspläne nach China ein. Die Ausreise gelingt. Im iwis-Archiv findet sich die Anfrage eines niederländischen Unternehmens zu Georg Cohn, der sich für die Vertretung seiner Produkte in China interessiert.

Zwangsarbeit und Rüstungsproduktion

Ganz können sich Dr. Rudolf und Otto Winklhofer den Entwicklungen ihrer Zeit aber nicht entziehen. Nazi-Deutschland rüstet auf zum Krieg, und iwis beginnt 1939 offiziell mit der Munitionsherstellung. Zu tief sitzt offenbar noch der Schock aus dem Ersten Weltkrieg, als nicht-kriegsrelevanten Betrieben die Schließung drohte.

Ukrainische Zwangsarbeiterinnen fanden in dieser Baracke auf dem iwis-Betriebsgelände eine Bleibe. Das Foto zeigt das Gebäude beim Umbau 1950.

In einer Geheimabteilung stellt das Unternehmen Flakgranaten-Zünder für die Wehrmacht her. Allein 1943 sind es 150.000 Stück. Die wirtschaftliche Neujustierung hat Erfolg und sichert den Erhalt des Unternehmens. Aufträge und Umsätze ziehen beachtlich an.

Otto Winklhofer 1941 bei
der 25-Jahr-Feier von iwis.

Auch die Zahl der Mitarbeiter steigt Mitte der 1930er-Jahre von 104 auf 268 – unter ihnen befinden sich auch russische Kriegsgefangene und ukrainische Zwangsarbeiterinnen, die den zunehmenden Fachkräftemangel kompensieren und in der geheimen Rüstungsabteilung zum Einsatz kommen.

1942
kann Otto Winklhofer nicht verhindern, dass 61 seiner Arbeiter in die Wehrmacht eingezogen werden. Während draußen der Krieg tobt, setzt er sich in München für eine egalitäre Behandlung aller Zwangsarbeiter ein. „Kameradschaftlich und hilfsbereit“ sollte sich die iwis-Belegschaft ihnen gegenüber zeigen.

1945
ist der Spuk vorbei. Am 31. April, nach Einmarsch der US-Truppen, legt die US-Militäradministration den Betrieb still. iwis steht einmal mehr vor dem Neuanfang.

iwis 100 Jahre